Förstermann verlässt Saerbeck: Der Diplomat macht Schluss

15 Jahre lang war Dirk Förstermann beim SC Falke Saerbeck aktiv. Zuletzt betreute der 32-Jährige die 1. Damenmannschaft. Schon in der Winterpause deutete der Übungsleiter an, dass er am Ende der Saison sein Amt niederlegen möchte. Mit Rang 5, 173:43 Toren und 68 Punkten ist Schluss. Ulrich Schaper sprach mit Föstermann über seinen Weggang, die Zeit bei Falke und was der besondere Reiz am Frauenfußball ist.
Dirk Förstermann betreute zuletzt die 1. Damenmannschaft. Schon in der Winterpause deutete der Übungsleiter an, dass er am Ende der Saison sein Amt niederlegen möchte

Dirk Förstermann betreute zuletzt die 1. Damenmannschaft. Schon in der Winterpause deutete der Übungsleiter an, dass er am Ende der Saison sein Amt niederlegen möchte Foto: Linda Steltenkamp.

Herr Förstermann, was ist die meistgestellte Frage an Sie, wenn jemand hört, dass Sie Frauenfußballtrainer sind?

Dirk Förstermann: Warum? Warum machst Du das?

Und ihre Antwort auf diese Frage?

Dirk Förstermann: Bei mir muss man da etwas weiter ausholen. Ich habe ja in der Jugend bei Falke gespielt und dann selbst Jugendmannschaften trainiert. Irgendwann wurde ich angesprochen, ob ich mir nicht vorstellen könne, die Damen zu übernehmen. Da war ich noch keine 20. Aus heutiger Sicht war ich viel zu jung, um diese Aufgabe zu übernehmen. Damals waren da Spielerinnen, die waren zwischen 16 und 34. Da ist man als junger Mensch schon leicht überfordert. Heute aber ich in Summe zehn Jahre lang die Frauen trainiert – eine tolle Zeit.

Worin unterscheiden sich die Aufgaben, die man als Frauen- oder als Männer-Trainer hat?

Dirk Förstermann: Ein Männer-Trainer wechselt einen Spieler während einer Begegnung im Zweifelsfall einfach aus. Wenn ich das bei den Frauen mache, kann es passieren, dass die Spielerin zwei Wochen lang kein Wort mehr mit mir redet.

Bei den Frauen wird also mehr gesprochen?

Dirk Förstermann: Definitiv. Gespräche haben einen hohen Stellenwert. Das fängt im Training an, das geht bei der Aufstellung zum Spieltag weiter, und auch während des Spiels muss man ein halber Diplomat sein. Das ist manchmal anstrengend. Man muss schon ein bisschen Frauenversteher sein, oder zumindest offen dafür sein, einer zu werden…

Hört sich so an...

Dirk Förstermann: Das macht aber auch den besonderen Reiz aus, eine Frauenmannschaft zu trainieren. Und: Man kann die Spielerinnen wirklich noch entwickeln. Im Männerbereich haben die Jungen eine ganz andere Ausbildung durchlaufen. Wenn man die im Seniorenbereich übernimmt sind die schon fertig. Bei den Frauen ist das anders, dadurch, dass die in der Regel eine schlechtere Ausbildung durchlaufen haben, kann man da viel im athletischen und taktischen Bereich und einfach auch im Bereich Fußballverständnis arbeiten. Was die konditionelle Arbeit angeht: Da ist man leider schnell als Schleifer verschrien. Aber damit kann ich leben.

Warum haben Sie das Amt dann niedergelegt?

Dirk Förstermann: Da ist vieles zusammengekommen. Ein Grund ist, weil ich im Dezember eigentlich geheiratet hätte. Dazu aber ist es nicht gekommen. Ich habe dem Sport viel untergeordnet und wollte mich mehr um meine Familie kümmern. Zum anderen habe ich immer gesagt, dass ich gerne mal im Herrenbereich trainieren würde. Oder halt bei einer höherklassigen Frauenfußball-Mannschaft. Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch, das möchte ich nun verwirklichen.

Hört sich nach einer sehr rationalen Entscheidung an...

Dirk Förstermann: War es im Prinzip auch. Als dann aber das letzte Spiel angepfiffen wurde, habe ich schon gemerkt, dass das weh tut, bei Saerbeck aufzuhören. Zu sehen, wie sich die Frauen entwickelt haben, wie sie zu einem Team zusammengewachsen sind, das bedeutet mir sehr viel. Mir war das auch sehr wichtig, dass, egal wer die Mannschaft übernimmt, mit dem Team arbeiten kann. Einige Spielerinnen sind zurückgekommen und werden nächstes Jahr wieder für uns spielen. Eine Kooperation mit einem anderen Verein, wie sie kurzfristig angedacht war, ist nicht nötig.

Ist Frauenfußball im Verein ein Thema? Gibt es einen Austausch mit den Trainern im Herren-Bereich?

Dirk Förstermann: Das war zu meiner Anfangszeit anders, aber ja, mittlerweile hat sich Frauenfußball bei Falke etabliert. Wir sind vollständig integriert. Es gibt einen monatlichen Trainer-Treff. Wir tauschen uns aus. Da geht es aber auch viel um Organisatorisches. Rein sportlich ist das nicht zu verbinden. Dazu sind wir im Frauen-Bereich sicher zu weit weg. Ansonsten: Ich hoffe, dass wir in ein paar Jahren auch im B- und C-Jugendbereich Mädchenmannschaften melden können. Ein richtiger Unterbau fehlt sehr. Deswegen ist es immer schwierig, eine Mannschaft zusammenzubekommen.

Letzte Frage: Ziehen Frauenfußballteams auch mit einer Kiste Bier los und machen Mannschaftsfahrten nach Mallorca?

Dirk Förstermann: Eindeutig – ja. Ich hatte mal eine Mannschaftsfahrt, wo eine Spielerin mit einem Anhänger auf den Hof fuhr. Ich dachte „wie praktisch, da können wir alle unser Gepäck draufladen“. Dann habe ich gesehen, dass der bis oben hin voll mit Alkohol gepackt war. Für ein Wochenende wohlgemerkt. Nur so viel: Wir haben nichts davon mit zurückgenommen. Nur die Kiste Bier nach dem Training hat sich nicht etabliert. Das habe ich mal versucht einzuführen, ist aber nicht so richtig angenommen worden.

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